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Kommentar: Muss es denn immer ein App sein?

10 Aug
Published by Eichi

Was ist ein App?
Bekannt wurde diese Mischung aus Abkürzung und Wortkreation durch die Werbung des Apple App Stores. Mitunter ein Spruch aus der Werbung ist "Es gibt für fast alles ein App" (vgl. schwäbisch: "Es goid fia älles a äbbs")
Doch diese Wort hat sich nun im Stil eines Trojaners auf viele anderen Smartphones übertragen, es scheint - im Gegensatz zu den Apps selbst - Betriebsystemunabhängig zu sein.
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Der erste Gedanke, der mir beim Wort App einfällt, sind kleine Programme für das iPhone, die einem Bescheid geben, wann man seine Blumen gießen muss, wie viele Schritte man gelaufen ist oder um seinen Ort und die Art des Stuhlgangs mit seinem Mitmenschen zu teilen.
Im besten Fall gibt noch Apps für den Zugfahrplan oder das Auffinden des nächsten Restaurants in der Umgebung. Zusammengefasst ein riesiger Haufen useless stuff.

Nicht zuletzt deswegen gibt es auch das Wort "App-shit", das das Handeln von Personen beschreibt, die ihren halben Tag damit verbringen, sinnlos in den Weiten der Mini-Applikationen herumzustochern und diese kostenlos oder kostenpflichtig auf ihrem Kleingerät installieren. Mit dem primären Ziel, andere Leute damit zu nerven. Es gibt mehr als 160.000 dieser gefrickelten 400-Codezeilen Software.

Es stört mich dabei auch nicht unbedingt die technische Umsetzung, die mag ggf. ja ab und an mal ganz gut sein. Schmerzen bereitet mit dabei mehr der "IT-Kultur" Aspekt, der hierbei mit Füßen getreten wird.
Es ist zum einen das Zeitalter, in dem hierzulande fast jeder die Möglichkeit hat, einen leistungsfähigen Rechner in der Hosentasche mit sich herumzutragen zum anderen ist es ist es selbiges Zeitalter, in dem diese Möglichkeit genutzt wird, um seine Lebenszeit mit stupiden Mini-Applikationen zu verschwenden.

Früher wurde ich, als Leute mein N800 gesehen haben, gefragt, was das denn sei und ich konnte in etwas antworten: "Das ist eine Art Mini-Computer mit dem ich all das tun kann, was man mit dem PC auch machen kann. Es gibt E-Mail-Programme (claws-mail), Messanger (Pidgin), Office-Anwendungen (Abiword, gnumeric), Musikplayer, .... damit erstelle ich Karten für OpenStreetmap, habe meine Termine beisammen, beantworte im Zug schon mal eine E-Mail, erstelle kleine Dokumente und Tabellen oder blätter nochmal etwas in einem digitalen (Hand-)Buch nach..."
Heute findet ein Dialog in selbiger Situation nur noch wie folgt statt: "Is das ein iPhone?", "Nein, ein etwas älteres Gerät, nennt sich N800", "ah okay. Gibts da auch so Apps dafür?", "Nein, zum Glück gibt für mein Gerät noch richtige Programme".

Ich kann im Moment nicht beantworten, was genau der Grund ist, warum es mir beim Wort App den Magen umdreht. Sicherlich spielt dort auch die Vertriebspolitik von Apple eine Rolle. Der Zentrale App Store, der von einer Firma fast unumgänglich kontrolliert wird. Die Möglichkeit, dass diese Firma Programme auf dem privaten Gerät des Endanwenders nachträglich löscht. Die Art der Programmvermarktung, die mich fast an Jamba! Abonnements erinnert.
Vielleicht ist es auch die iPhone-Benutzer Mentalität, die ihr Gerät, samt sich selbst,  für etwas besonderes halten. Selten hört man einen iPhone-Nutzer, wie bei jedem anderen Gerät auch, von seinem "Handy" oder "Smartphone" reden. Nein, man besitzt explizit ein iPhone. ("Moment ich glaube, mein iPhone klingelt"). Vielleicht sind es auch einfach die Apps an sich, die sich in der Masse verhalten, wie ein Meer bunter Quietsche-Enten, in das man, 30km vom nächsten Ufer entfernt, hinein geschmissen wird.

Ich wäre froh, die Apps würden dort bleiben, wo sie hingehören: Auf dem iPhone. Ungern möchte ich jedes Programm, das auf einem mobilen Gerät installiert ist, als App bezeichnen. Der Ursprung, die Apps auf dem iPhone, für welche das Wort am Anfang  kreiert wurde, beschreiben für mich etwas, dass ich nicht auf meinem Gerät haben möchte.

Letztendlich ist es nur ein negatives Gefühl gegenüber diesem Wort, aber ich scheine es nicht los zu werden, woher auch immer es nun genau kommen mag

Themen 

Kultur

Kommentare

Ich versteh den Punkt nicht ganz. Ich meine: Ja, die meisten iPhone Apps sind muell, klar. Aber ich weiss echt nicht mehr, wie ich ohne den db Navigator noch zug fahren sollte. Was war das doch fuer ein Aufwand, sich das immer vorher abzuschreiben, wann, an welchem Gleis. Und die Verspaetungen, die mein iphone, weiss, das Blatt papier aber nicht. Aber - das ist ja im prinzip nix iphone spezifisches, solche apps koennte man fuer jedes mobilgeraet mit Internetzugang erstellen. Vielleicht gibts das auch, don't know. Aber da hat Apple halt einen Trend gesetzt, der ein paar schoene sachen und einen haufen Mist bringt. Ich fisch mir die Perlen raus und lass den rest links liegen.

Zu: "Mein iphone klingelt": Gutes Marketing von Apple. Aber das ist nicht nur beim iphone so, oder wie viele "Mac" Nutzter nennen ihren Rechner "Computer" oder "PC", und wie viele "Mac", "iMac", oder "MacBook"?

Was magst du an dem Wort "App" denn nun nicht? Ich glaube, "Programm" oder "Applikation" ist den "normalos" (nicht nerds, die sich von Technik an sich halt nicht so angesprochen fuehlen) halt nicht so verstaendlich. Da denken sie, wenn ueberhaupt eher an Ms Office oder ihr Steuererklaerungsprogramm. Das ist halt nicht so sexy... "App", das ist kurz, hipp und bunt. Marketing halt.

Mir ist es wie gesagt egal, als was mein db Navigator (und ein paar andere gute Programme) bezeichnet werden. Ich will, dass sie mir das Leben etwas erleichertern und auch ein bisschen spass machen. Das tun sie.

Gruss,
florian

Hehe, bin über den Artikel auf Planet Arch gestolpert.
Mir geht es ähnlich. Ich rege mich nicht so sehr auf wie du, bin aber jedesmal genervt, wenn ich Apples Werbungen erlebe. "Es gibt für fast alles eine App".
Ich selbst habe ein N900, nenne es "Handy", und muss auch öfter mal erklären, dass da nicht Android drauf läuft (Android ist da auch ein neuer Trend, aber viel angenehmer).

Die iPhone-Besitzer, die ich kenne, sind alles nette Leute, die es auch nicht mit sowas übertreiben. Treib mich halt viel mit Informatikern rum, die wissen, was sie an Technik in der Hand haben. Von daher nerven mich die Werbungen und Fashionfucker, die man halt auf der Straße trifft, mehr.

Ich persönlich spreche auch viel lieber von "Programm". Und so gesehen wäre ein "kleines Programm" ja auch ein "Applet", aber leider hat das Java schon für sich reserviert :)

Fragt mich wer, ob es für mein Handy auch Apps gibt, bin ich meist so nett und erklär ihnen, dass da ein vollwertiges Linux drauf habe und theoretisch jedes Programm drauf laufen lassen kann. Schau mal, Pidgin. Schau mal, Firefox. Schau mal, Battle for Wesnoth. :)

Tim

Coole Sache! Ich hab nämlich auch ein N900 und liebe das Teil ;)

Die "Apps" verbreiten sich ja nun schon über die Grenzen des Handys hinaus:
Ich hab es erst nicht glauben wollen, aber die Software für den neuen Chip-Personalausweis heißt ernsthaft "AusweisApp" :D (www.ausweisapp.bund.de)

Gerade bei einer Software vom Bund hätte ich da einen etwas seriöseren Namen erwartet. Aber immerhin gibs das für mehrere Plattformen, im Gegensatz zum Elster-Formular (wohl bald das "SteuerApp" :P), das ich nichtmal mit wine vollständig zum laufen gebracht hab...

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